Philipp Wolfrum

Internationaler Philipp-Wolfrum-Wettbewerb
an den romantischen Orgeln
der Christuskirche (Walcker 1903/1954)
und der Stadthalle (Voit 1903)
in Heidelberg

Philipp Wolfrum

Philipp Julius Wolfrum wurde am 17.12.1854 in Schwarzenbach am Wald (Oberfranken) geboren.1 Sein Vater, der Kantor und Lehrer Johann Heinrich Wolfrum, sorgte für eine vielseitige Bildung und Ausbildung seiner Kinder; so konnte er sich bereits von dem neunjährigen Philipp an der Orgel vertreten lassen. Mit 15 Jahren wurde Philipp Wolfrum in das Königliche Lehrerseminar zu Altdorf bei Nürnberg aufgenommen, um nach väterlichem Vorbild den Weg des „Lehrer-Organisten“ einzuschlagen. Nach dem Abschlussexamen 1872 unterrichtete er zunächst als Hauslehrer, dann kurz an einer Volksschule, bevor er 1874 als Hilfslehrer an das Königliche Lehrerseminar zu Bamberg kam. 1876 erhielt er für mehrere Jahre Urlaub, um mit einem Stipendium des Bayerischen Staates an der Königlichen Musikschule in München zu studieren: Orgel und Komposition bei Joseph Rheinberger, Klavier bei dem Liszt-Schüler Karl Bärmann sowie Chorgesang und Dirigieren bei Franz Wüllner.

1878 kehrte Wolfrum nach bestandenem Absolutorium nach Bamberg zurück und entwickelte sich dort mit seinen vielfältigen Aktivitäten als Komponist, Dirigent und Solist schnell zur „Seele unseres gesammten Musiklebens dahier.“2 1884 berief ihn die Universität Heidelberg zum Hilfslehrer für den Musikunterricht am theologischen Seminar – mit den Zielen, zum einen erstmals eine umfassende kirchenmusikalische Ausbildung für die Theologen Badens zu etablieren und zum anderen ein aktives öffentliches Musikleben in der Stadt zu initiieren. Nach der 1885 gelungenen Gründung zweier Chöre, des „Akademischen Gesangvereins“ und des als Bachchor Heidelberg noch heute bestehenden „Bach-Vereins“, nach aufsehenerregenden Konzerterfolgen sowie der Ablehnung mehrerer Rufe nach auswärts wurde er 1888 zum außerordentlichen Professor ernannt, 1894 dann zum Universitätsmusikdirektor, 1907 zum Generalmusikdirektor, 1914 zum Geheimen Hofrat und 1917 zum ordentlichen Honorarprofessor.
 

Überarbeitet und nierenkrank begab sich Wolfrum 1919 in die Schweiz zu einer Kur nach Samaden (Oberengadin), konnte sich aber auch dort nicht mehr erholen und starb am 8. Mai 1919 in Samaden, wo er im kleinsten Kreise beigesetzt wurde.

Zeitlebens setzte sich Wolfrum intensiv für die Wiedererweckung des Werkes von J.S. Bach und für das Werk Franz Liszts ein, nicht nur als Interpret, sondern auch durch eine 1910 veröffentlichte zweibändige Bach-Monographie3 sowie ab 1910 als „Obmann“ der Liszt-Gesamtausgabe,4 von der er vier Bände selbst editierte. Wohl zu Recht also münzten seine Studenten auf ihn das (den Luther-Choral „Ein feste Burg“ persiflierende) Bonmot „Groß Bach und viel Liszt sein grausam Rüstung ist“.

Eine lebenslange Freundschaft verband Wolfrum mit seinem Münchener Studienkollegen Engelbert Humperdinck. Auch Felix Mottl und Richard Strauss gehörten bald zu Wolfrums Freundeskreis.

Besonders wichtig wurde die auf dessen Kontaktaufnahmen 1901 und 1904 folgende Zusammenarbeit und schließlich enge Freundschaft mit Max Reger. Beide suchten sich gegenseitig Aufführungen ihrer Werke zu vermitteln. Auch lud Wolfrum Reger immer wieder nach Heidelberg ein und unternahm gemeinsam mit ihm ausgedehnte Tourneen, hauptsächlich mit Bach'schen Klavierkonzerten. Schließlich war es Wolfrum, der die Grabrede für Reger hielt.

Wolfrums wohl bedeutendster Schüler war Fritz Stein – auch er ein enger Freund von Reger. Weitere „Bindeglieder“ zwischen Wolfrum und Reger waren der ab 1906 als Assistent Wolfrums in Heidelberg wirkende Reger-Schüler Karl Hasse sowie Wolfrums nach Hasses Weggang die Assistenz übernehmender Schüler Hermann Poppen, dem Wolfrum 1912 einen siebenmonatigen Studienurlaub bei Reger verschaffte.

     Ph. Wolfrum Gedenkstein 

Gedenkstein für Philipp Wolfrum in der St. Peterskirche Heidelberg

Der größte Teil von Wolfrums kompositorischen Werk entstand in seiner Bamberger Zeit, bevor der immense Umfang der Heidelberger Tätigkeit ihn mehr und mehr vom eigenen Komponieren abhielt. Im Frühjahr 1879 erschien bei Joseph Aibl in München Wolfrums op. 1, die Sonate in B moll für Orgel. Wolfrum widmete sie seinem Lehrer Rheinberger, der sich mit einem Schmuck-Billet bedankte und gleich ein weiteres Exemplar für die Bibliothek der Musikschule erbat. Mit Enthusiasmus rezensierte der Liszt-Schüler Alexander W. Gottschalg dieses Werk in der damals vielgelesenen Zeitschrift Urania:
 

Ein Erstlingswerk wie dem Verf. noch keines während seiner langen kritischen Thätigkeit vorgekommen ist. Allen Respekt vor einer solchen Begabung, sowie vor einem solchen Lehrerfolge a la Rheinberger! Wir heissen den jungen Künstler von ganzem Herzen als Componist willkommen und stellen ihn mit Vergnügen hiermit der Oeffentlichkeit gebührend vor.

 
1883 folgten die Zweite und die Dritte Orgelsonate op. 10 bzw. 14, erst 1898 aber das letzte mit Opuszahl versehene Orgelwerk, die Drei Tondichtungen op. 30.

Über Wolfrums Vorstellungen vom Orgelklang sind wir recht gut informiert, denn er initiierte mehrere Orgelneubauten in Heidelberg. Leider zählt die von ihm geplante und von der Firma E.F. Walcker erbaute Orgel der St. Peterskirche Heidelberg, zu deren Einweihung im Februar 1898 Wolfrums Drei Tondichtungen entstanden, zu den wenigen Kriegsverlusten Heidelbergs. Die 1903 von der Firma Voit&Söhne erbaute Orgel der Stadthalle Heidelberg dagegen hat als älteste noch existierende deutsche Konzertsaalorgel bis heute praktisch unverändert überdauert (1993 restauriert von Fa. Vleugels Orgelmanufactur). Ihre, ebenfalls maßgeblich von Wolfrum entworfene, Disposition ähnelt derjenigen der St. Peterskirche. Die Disposition und die relativ zurückhaltende Intonation nehmen allerdings darauf Rücksicht, dass dieses Instrument neben der solistischen Funktion hauptsächlich zur Begleitung von Chor und – damals nach Bayreuther Art versenkt sitzendem – Orchester u.a. bei den großen Oratorienaufführungen eingesetzt werden sollte.

Anmerkungen:
1 Alle biographischen Angaben folgen der Monographie von Hans-Jörg Nieden: Bachrezeption um die Jahrhundertwende: Philipp Wolfrum, München und Salzburg 1976. Die Wolfrum-Artikel des MGG (Friedrich Baser, MGG Bd. 14, Spalten 827-828; 1968) sowie im „Kirchenlexikon“ (Armin Raab, Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Bd. 14, Spalten 35-36; 1998 – dieser Artikel basiert anscheinend vollständig auf dem des MGG, wie insbesondere die wörtlich aus letzterem übernommenen falschen Jahres- und Opuszahlen zeigen) enthalten zahlreiche sachliche Fehler.
2 Concertbericht des Bamberger Tageblattes vom 27.12.1881
3 Philipp Wolfrum: Johann Sebastian Bach, 2 Bde., Leipzig 1910
4 Franz Liszt: Musikalische Werke, hrsg. von der Franz Liszt-Stiftung, 34 Bde. Leipzig 1907-1936. Unvollständig.

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