Udo R. Follert
Udo R. Follert
Generalbass, Partiturspiel

Tabellarischer Lebenslauf

Künstlerischer Werdegang

Tabellarischer Lebenslauf

3. Januar 1943 geboren in Bad Köstritz/ Thüringen

1949 - 1957 Grundschulzeit in Bad Köstritz

Erster Klavierunterricht, Theorie- und Orgelunterweisung
Mitwirkung im Heinrich-Schütz-Chor Bad Köstritz
Vertretungen im Gottesdienst
Lehrer: Kantor Friedrich Franke

1957 - 1959 Oberschulzeit in Gera

Klavier-, Violoncello- und Theorie-Unterricht an der Volksmusik-Schule in Gera; Privatunterricht in Partiturkunde, Instrumentenkunde und Dirigieren
Lehrer: GMD Reinhardt, Frau Ruth Thiele u.a.

1959 - 1961 Ausbildung als Kantor-Katechet an der Thüringer Kirchenmusik-Schule

Privatunterricht in Orchesterdirektion, Ergänzungskurse (Orgel-Improvisation); Mitwirkung im Eisenacher Bach-Chor, Nebenamtliche Organistenstellen, Leitung des Kirchenchores in Creuzburg/ Eisenach
Lehrer: Prof. Erhardt Mauersberger, Prof. Joh.E. Köhler, LKMD Herbert Peter, Dr. Walter Grundmann u.a.

11. August 1961 Flucht in die Bundesrepublik Deutschland

1961 - 1963 Studium der Kirchenmusik an der Rheinischen Kirchenmusikschule in Düsseldorf

Tätigkeit als nebenamtlicher Kirchenmusiker in Düsseldorf-Urdenbach und Unterrath
Lehrer: Prof. Gerhard Schwarz, Prof. Jürg Baur, Prof. Almut Rößler, Prof. Hartmut Schmidt, Prof. Karl H. Wörner

1963 B-Prüfung für Kirchenmusiker / Mittlere Urkunde

1962, 1963, 1964 Teilnahme an der Sommer-Akademie Mozarteum in Salzburg in Salzburg

in den Fächern Cembalo und Dirigieren
Lehrer: Prof. Anna-Barbara Speckner, Leopold Hager

1964 - 1965 Weiterstudium in Düsseldorf mit dem Ziel der A-Prüfung

Mitwirkung in der Niederrheinischen Chorgemeinschaft
Ergänzungskurse in Musikwissenschaft, Theologie und Philosophie (Oberseminar Düsseldorf)
Lehrer: Erika Schütte-Kötschau, Prof. Hartmut Schudt u.a.

1965 - 1967 Weiterstudium an der Musikhochschule in Köln

Tätigkeit als nebenamtlicher Kirchenmusiker am Jeremia-Haus Köln-Mitte,
Leitung der Kölner Studentenkurrende und eines Studenten-Kammerorchester, Mitwirkung im Philharmonischen Chor Köln, zahlreiche Chor- und Orchesterkonzerte
Lehrer: Prof. Dr. Michael Schneider, Prof. Dr. Wolfgang Stockmeier, Prof. Philip Röhl

1967 A-Prüfung für Kirchenmusiker / Große Urkunde

 

1967 - 1970 Weiterstudium im Fach Künstlerisches Orgelspiel an der Musikhochschule Köln,

im Fach Dirigieren am Robert-Schumann-Institut Düsseldorf
Lehrer: Prof.Dr. Wolfgang Stockmeier, Prof. Jürg Baur, Prof. Leonore Auerswald, Arnold Quennet, Otto Kleinhammes, Anton Dewanger

1970 Diplom-Reifeprüfung im Fach Orgel und im Fach Dirigieren

1967 - 1984 Tätigkeit als hauptamtlicher Kirchenmusiker

in der Evangelischen Kirchengemeinde Leichlingen/Rheinland.
Aufbau einer integrierten Gesamtkantorei mit dem Ziel der musikalisch-liturgischen Ausbildung und Förderung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in einer Vielzahl von Gemeindegruppen im vokalen und instrumentalen Bereich; regelmäßige liturgische Einbindung aller Gruppen, zahlreiche Aufführungen der klassischen Kantaten- und Oratorienliteratur, Konzertreisen ins europäische Ausland und nach Übersee

1968 - 1972 Leitung des Sinfonieorchesters der Konzertvereinigung Opladen,

jährlich 2 - 3 Kammer- und Sinfoniekonzerte

1977 - 1984 Lehrtätigkeit im Fach Liturgisches Orgelspiel

an der Musikhochschule in Köln

seit 1978 Mitwirkung und Leitung von Kursen, Jugend- und Familiensingwochen

sowie Chorarbeitswochen für den Landesverband Evangelischer Kirchenchöre im Rheinland

seit 1980 Mitarbeit im Prüfungsausschuß der Evangelischen Kirche im Rheinland,

als Kreiskirchenmusikwart des Kirchenkreises Leverkusen Planung, Organisation und Durchführung von Chor- und Kinderchortreffen

1984 - 1987 Tätigkeit als hauptamtlicher Kirchenmusiker in der Evangelischen

Kirchengemeinde Halle/ Westfalen.

Weiterführung der von KMD Schloemann gegründeten Johanniskantorei Halle, Leitung der Musikschule Halle, Neukonzeption und künstlerische Leitung der jährlichen Haller Bach-Tage und der Mozart-Feste, Neugründung des Ravensberger Kammerchores und des Ravensberger Barockensembles, mit denen eine rege Konzertreise-Tätigkeit entfaltet wurde

1984 Vakanzvertretung in der Leitung des Bielefelder Musikvereins,

Gastkonzert

seit 1987 Tätigkeit als Landeskirchenmusikdirektor

der Evangelischen Kirche der Pfalz mit umfassenden künstlerischen, beratenden, herausgeberischen und Verwaltungs-Aufgaben:

Leitung der Evangelischen Jugendkantorei der Pfalz, der Pfälzischen Singgemeinde, der Pfälzischen Singakademie (als Neugründungen) und der Corona Palatina (Orchester der Pfälzischen Landeskirche) bei zahlreichen Konzerten und Konzertreisen.

1989 Erster Preis beim Landeswettbewerb

in der Sonderkategorie für Kammerchöre;

Organisatorische Leitung und künstlerische Mitwirkung beim 31. Internationalen Schütz-Fest in der Pfalz;

Organisation und Leitung des Speyerer Orgelfrühlings;

Jährliche Herausgabe des Chorheftes Pfalz für den Landesverband der Evangelischen Kirchenchöre der Pfalz;

Organisation und Leitung der zwei-jährlichen Landeskirchenmusiktage;

Betreuung und Beratung von ehren- und nebenamtlich tätigen Kirchenmusikern und Kirchenchören in der gesamten Landeskirche, rege Besuchtstätigkeit;

Organisation und Leitung von jährlich zwei C-Prüfungen sowie Abnahme von sporadisch stattfindenden D-Prüfungen

1990 Neufassung einer Ausbildungs- und Prüfungsordnung

für die kirchenmusikalischen Seminare in der Pfälzischen Landeskirche;

Leitung des Amtes für Kirchenmusik, Organisation von Fortbildungskursen

seit 1991 Unterrichtstätigkeit (Partiturspiel und Generalbaß) an der Kirchenmusikhochschule der Evang. Landeskirche von Baden in Heidelberg

seit 1980 Erforschung, Durchführung und Anregung von Aufführungen

unbekannter Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts und deren Verbreitung in der Öffentlichkeit durch publizistische Tätigkeit sowie Herstellung von Einspielungen auf Tonträgern.

Intensive Beschäftigung mit dem Chorwerk von Friedrich Kiel und Felix Draeseke.

Im Rahmen dieser Schwerpunktarbeit:

1982 Draeseke, Requiem Op. 22, Wiederaufführung Leichlinger Kantorei

1983 Messe Op. 84, Leichlinger Kantorei

1987 Kiel, Christus-Oratorium, Wiederaufführung Haller Bach-Tage

1989 Draeseke, Messe Op. 60, Uraufführung, Jugendkantorei Pfalz

1990 CHRISTUS-Tetralogie Op. 70-73, Gesamtaufführung

1986 Gründung der Internationalen Draeseke-Gesellschaft in Coburg,

seither Organisation und Leitung der wissenschaftlichen Symposien und Konzerte im Rahmen der jährlichen Jahrestagungen in Coburg und Dresden, Herausgabe der Notenbände in der Reihe der Veröffentlichungen der IDG,

seit Gründung 2. Vorsitzender (Geschäftsführung) der IDG

1993 Gründung der Evangelischen Singakademie der Pfalz (Bach-Chor, Kammerchor, Singefreizeiten, Seniorenarbeit)

1995 Mitwirkung bei den Gedenkveranstaltungen zum 50. Jahrestag der Beendigung des 2. Weltkrieges in Breslau, Polen

1996 Durchführung einer Festwoche aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Internationalen Draeseke-Gesellschaft in Coburg

1998 Einladung zu Konzerten nach Israel mit dem Kammerchor der Singakademie und Mitwirkung beim Festgottesdienst zum 100-jährigen Jubiläum der Erlöserkirche in Jerusalem

1999 Eröffnungskonzert der 10. Bachwoche in Budapest mit dem Kammerchor

Seit 1999 Künstlerische Leitung des Mozartchores e.V. Speyer und seither zahlreiche Konzerte in Speyer und Konzertreisen in die englische Partnerstadt Spalding.

Im September 2000 zum wiederholten Male Gastdirigent beim renommierten polnischen Musikfestival "Wratislavia Cantans" in Breslau / Polen.

2002 Uraufführung der Sinfonischen Kantate "Die Herrlichkeit Gottes" von Peter Michael Braun beim Landeskirchenmusiktag in der Pfalz mit Wiederholungen des Werkes 2003 in Breslau / Polen und beim 1. Ökumenischen Kirchentag in Berlin.

Mehrere Aufführungen der "Missa Solemnis" von Ludwig van Beethoven mit dem Oratorienchor der Pfälzischen Landeskirche und der Breslauer Philharmonie im Januar 2003.

Am 7. Oktober 2003 Heirat mit der Sängerin und Musikpädagogin Uta Helene Follert, geb. Schäfer.

Oktober 2003 Konzertreise nach Südbrasilien zu deutschen Kirchengemeinden in Sao Paulo, Curitiba, Joinville, Jaragua do sul und Pomerode.

2004 - Organisatorische Vorbereitung und künstlerische Leitung bei den musikalischen Aktivitäten im Rahmen der beiden Jubiläen "475 Protestation in Speyerer" sowie "100 Jahre Gedächtniskirche Speyer"

 

Veröffentlichungen

 

I. Artikel zu verschiedenen Themen, Werkanalysen und -einführungen in Fachzeitschriften

 

II. Noten:

1983 Draeseke, Messe Op. 84, Neudruck Edition Kunzelmann, Partitur

1984 Kiel, Sechs Motetten Op. 82, Neudruck Bote & Bock

Draeseke, Konzertstück für Chor Op. 41, Neudruck Kistner&Siegel

1987 ders., Kanonische Rätsel für Klavier zu vier Händen Op. 42

1988 ders., Sonate für Klavier Op. 6, beide Wollenweber-Verlag

ders., Requiem Op. 22, KlA und Material bei Strube-Verlag

1989 ders., Messe Op. 60, KlA bei Strube-Verlag

ders., Streichquartett Op. 35 bei Wollenweber-Verlag

1990 ders., CHRISTUS-Mysterium Op. 70-73 bei Bärenreiter-Verlag

1991 ders., Motetten Op. 55 und 57 bei Strube-Verlag

1992 ders., Streichquintett Op. 77 bei Wollenweber-Verlag

1994 ders., Streichquartett Op. 66 bei Wollenweber-Verlag

1996 ders., Streichquartett Op. 27 bei Wollenweber-Verlag

1996 ders., Sinfonia Comica für großes Orchester WoO 38

1997 ders., Sonate für Viola und Klavier WoO 26

1998 ders., Requiem a cappella WoO bei Strube-Verlag

2000 ders., Werke für Violoncello und Klavier

 

III. Schallplatten- und CD-Produktionen:

1973 Bach, Weihnachtsoratorium - Leichlinger Kantorei

1974 Schütz, Weihnachtshistorie - Leichlinger Kantorei

1975 Leichlinger Bläserweihnacht - Leichlinger Kantorei/ Bläserchor

Distler, Choralpassion - Leichlinger Kantorei

1976 Bach, H-moll-Messe - Leichlinger Kantorei

1983 Draeseke, Requiem Op. 22 - Leichlinger Kantorei

1985 Draeseke/ Kiel, Motetten - Ravensberger Kammerchor

Draeseke, Messe Op. 84 - Leichlinger Kantorei

1990 Draeseke, CHRISTUS-Mysterium - Jugendkantorei Pfalz und

Heilbronner Vokalensemble auf CD

 

Mitgliedschaften:

Friedrich-Kiel-Gesellschaft
Gesellschaft der Orgelfreunde
Internationale Draeseke-Gesellschaft, Coburg
Internationale Heinrich Schütz-Gesellschaft, Kassel
Künstlergilde
Neue Bach-Gesellschaft Leipzig
Schütz-Akademie Bad Köstritz

 

 

 

Künstlerischer Werdegang

 

Mütterlicherseits entstamme ich einer alten Familie, die im ostthüringischen Raum beheimatet war. Aus ihr sind mehrfach Kantoren, Pianisten und Sänger hervorgegangen. Bedeutend war im 17. Jahrhundert Sebastian Knüpfer, der in Leipzig wirkte.

Meine Befähigung zur Musik zeigte sich früh; den ersten Klavierunterricht erhielt ich als Sechsjähriger. Daneben machte mich der damalige Kantor Friedrich Franke in Bad Köstritz mit Harmonielehre und Kontrapunkt vertraut. Als sein Orgelschüler und Chorsänger kam ich früh mit der Kirchenmusik in Berührung.

Während der Oberschulzeit in Gera erhielt ich an der Volksmusikschule sehr qualifizierten Klavier-, Violoncello- und Theorieunterricht. Der Generalmusikdirektor des Geraer Theaters verstand es, meine Begeisterung für das Orchester, für die sinfonische Musik zu wecken. Auch hatte ich damals viel Gelegenheit, mich in der Kammermusik zu üben.

Nach meinem Ausschluß von der Oberschule - das Studium an einer Musikhochschule war damit ausgeschlossen - begann meine Ausbildung als Kantor-Katechet in Eisenach. Die damals sehr qualifizierten Lehrkräfte vermittelten mir eine solide theologisch-musikalische Grundausbildung. Walter Grundmann, Erhard Mauersberger und Herbert Peter waren u.a. meine Lehrer; auch nahm ich an speziellen Kursen in Weimar teil, die Johannes Ernst Köhler leitete. Auch in Eisenach unterrichtete mich der damalige Theaterkapellmeister in Orchesterdirektion, Instrumentenkunde und Partiturspiel. Die reich ausgestalteten Gottesdienste in der Georgenkirche sowie die lebendige Praxis als Chorist im Eisenacher Bachchor haben mein liturgisch-musikalisches Verständnis von der Kirchenmusik nachhaltigst geprägt.

Im Oktober 1961 setzte ich nach der Flucht meine Studien an der Rheinischen Kirchenmusikschule in Düsseldorf fort und konnte 1963 die B-Prüfung ablegen. Durch meine Lehrer Almut Rößler und Hartmut Schmidt kam ich nun mit der französischen Tradition der Orgelmusik in Berührung, denn beide hatten ihrerseits bei Marcel Duprée in Paris gearbeitet. In der Improvisation hatte ich bei Gerhard Schwarz, in der Theorie bei Jürg Baur studiert und nachhaltige Eindrücke mitnehmen können. Außerdem wurden meine Kunstanschauungen sehr wesentlich durch das reiche Kulturleben der rheinischen Metropole geprägt. In den Jahren 1962 bis 1964 belegte ich regelmäßig die Fächer Cembalo und Dirigieren an der Salzburger Sommerakademie, eine sehr glückliche Zeit, weil ich dort mit der musikalischen Weltelite in Berührung kam. Meine Cembalo-Lehrerin war damals Anna-Barbara Speckner. - Nach der B-Prüfung widmete ich mich in Düsseldorf einem intensiven Klavierstudium bei Erika Schütte-Kötschau sowie musikwissenschaftlichen, theologischen und philosophischen Studien, bis ich 1965 in Köln bei Michael Schneider, Wolfgang Stockmeier und Philipp Röhl das Kirchenmusikstudium weiterführte und 1967 die A-Prüfung ablegte. Im gleichen Jahr begann ich an der Schumann-Hochschule in Düsseldorf die Kapellmeister-Ausbildung, während in Köln das Orgelstudium bei Wolfgang Stockmeier fortgeführt wurde. Mein Lehrer in Düsseldorf war Arnold Quennet, der seinerseits bei Hermann Abendroth in die Schule ging und dem ich unendlich viel verdanke. Beide Studiengänge schloß ich 1970 mit Konzertexamen ab.

Meine erste Kirchenmusikerstelle erhielt ich in Leichlingen, unweit von Köln und Düsseldorf. Das bergische Kleinstädtchen bot in relativer Abgeschiedenheit die besten Möglichkeiten zur beruflichen Entfaltung, so daß in beinahe zwei Jahrzehnten das Experiment einer integrierten Gesamtkantorei sehr erfolgreich durchgeführt werden konnte. Hierzu zählten eine musikalische Ausbildung von Kindern und Jugendlichen ebenso wie liturgisch-musikalische Veranstaltungen auf beachtlichem Niveau. Mit dem Madrigalchor dieser Kantorei unternahm ich Konzertreisen ins europäische Ausland und nach Südamerika. Die Leichlinger Kantorei zählt mit ihrer geregelten Kirchenmusik auch heute noch zu den vorbildlichen Einrichtungen ihrer Art in der Rheinischen Kirche.

Von 1968 bis 1972 leitete ich das Sinfonie-Orchester der Konzertvereinigung in Leverkusen-Opladen und erarbeitete mir in der Zeit ein ansehnliches Repertoire.

1972 übernahm ich in Köln das Vokalensemble Hashirim, das sich mit der Musik der russisch-orthodoxen Kirche befaßt. Die zwölfjährige Arbeit mit diesem Chor vermittelte mir ein sehr tiefes Wissen um liturgische Zusammenhänge und deren tiefe Wurzeln.

Seit 1977 war ich Mitglied im Lehrkörper der Musikhochschule Köln und lehrte dort erfolgreich das Fach Orgel-Improvisation.

Meine Mitarbeit im Landesverband der Evangelischen Kirchenchöre im Rheinland begann 1978 mit Ausbildungskursen zur C-Prüfung, Jugendsingwochen, Familiensingwochen und Chorarbeitswochen.

Außerdem wurde ich 1980 in den Prüfungsausschuß der rheinischen Landeskirche berufen. Als Kreiskirchenmusikwart für den Kirchenkreis Leverkusen organisierte ich mehrere Chor- und Kinderchortreffen.

Seit 1980 befasse ich mich wissenschaftlich und praktisch mit der Aufarbeitung unbekannter Kirchenmusik vornehmlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Relativ breiten Raum nehmen hierbei die Werke von Felix Draeseke ein, der fast dreißig Jahre bis zu seinem Tode in Dresden wirkte. Ausgangspunkt für diese Arbeiten war die Fragestellung nach den Wurzeln der neuen Blüte der Evangelischen Kirchenmusik sowie der liturgischen Erneuerung im 20. Jahrhundert. - 1982 wurde Draesekes Requiem Op. 22 als erstes größeres Werk mit der Leichlinger Kantorei wieder aufgeführt. Seither hat das Werk verschiedene Aufführungen, u.a. auch in Dresden und Leipzig gefunden. Für diese Arbeiten interessierten sich auch Rundfunk und Schallplattenfirmen.

1984 erhielt ich den Zuschlag für die Kirchenmusikerstelle in Halle/Westfalen. Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Halle/Westfalen kennt ein sehr intensives musikalisches Gemeindeleben. Weit über die Grenzen hinaus sind die Haller Bach-Tage bekannt geworden, die im Kulturleben der gesamten Region einen ausgezeichneten Platz einnehmen. Auch die jährlichen Mozart-Feste boten reichlich Gelegenheit zu künstlerischer Arbeit auf sehr hohem Niveau. Diese und die Bach-Tage boten die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Orchestern: Kölner Philharmoniker, Kammerorchester Tibor Varga, Breslauer Philharmonie, Kammerorchester Leopoldinum Breslau. Nach Breslau wurde ich bald auch regelmäßig zur Leitung von Orchesterkonzerten eingeladen. Für eine kurze Zeit leitete ich den Bielefelder Musikverein nach dem Tode seines langjährigen Dirigenten Martin Stephani. Zu den Hauptaufgaben in Halle/Westfalen zählte auch die Leitung der großen Kinderkantorei. Als Neugründung in Halle/Westfalen sei der Ravensberger Kammerchor erwähnt, mit dem ich in kurzer Zeit viele Konzertreisen unternommen habe. Mit dem Ravensberger Barockensemble, das in jenen Tagen gegründet wurde, unternahm ich zahlreiche Konzertreisen im In- und Ausland. Bei den Haller Bach-Tagen 1987 wurde das Oratorium "Christus" von Friedrich Kiel zum ersten Mal seit den dreißiger Jahren wieder aufgeführt.

Im Oktober 1987 folgte ich dem Ruf der Pfälzischen Landeskirche in das Amt des Landeskirchenmusikdirektors mit seinen vielfältigen Aufgaben in den Bereichen der Aus- und Fortbildung, der Chorbetreuung und -beratung in einem ländlich geprägten Raum, der Leitung des landeskirchlichen Orchesters und der Jugendkantorei, einem Ensemble, das zu außergewöhnlichen Aufgaben befähigt ist. 1989 erhielt der Chor beim Landeschorwettbewerb unter meiner Leitung den 1. Preis und nahm 1990 in Stuttgart beim Deutschen Chorwettbewerb teil. Im Bereich der Landeskirche gründete ich 1990 die "Pfälzische Singgemeinde, einen überregionalen Oratorienchor, und 1993 die Evangelische Singakademie der Pfalz, die eine vielgliedrige Chorarbeit mit unterschiedlichen Angeboten umsetzen will. Die Organisation und Durchführung der Landeskirchenmusiktage alle zwei Jahre, der jährlichen Orgelzyklen, Orchester- und Chorkonzerte sowie die Leitung von Chorfreizeiten (Singwochen Gosau, Chorarbeitswoche Usedom u.a.) für deutsche und ausländische Chorverbände gehören zum Arbeitsfeld ebenso wie ein erhebliches Pensum von Verwaltungsaufgaben.

Die organisatorische und künstlerische Betreuung des 31. Internationalen Heinrich-Schütz-Festes 1989 in der Pfalz mit 27 verschiedenen Veranstaltungen war bisher eines der größten mit Erfolg durchgeführten Projekte. Hierbei zählte die Erstaufführung der Großen Messe in Fis-moll von Draeseke zu den Höhepunkten des Festes.

1986 gründete ich in Coburg die Internationale Draeseke-Gesellschaft, die seither beachtliche Ergebnisse auf den Sektoren der wissenschaftlichen Forschung und der praktischen Erprobung von Leben und Werk des Komponisten vorweisen kann. Ich betreue auch die Neu-Ausgaben von Noten und habe seit 1982 mit einer Vielzahl von Artikeln, Analysen und Berichten diese Arbeit begleitet. Im Rahmen der IDG-Arbeit wurden bei den jährlich stattfindenden Jahrestagungen Symposien mit internationaler wissenschaftlicher Besetzung organisiert. Rundfunk- und Fernsehsendungen habe ich angeregt, unterstützt und beratend begleitet. Außer in Coburg fanden diese wissenschaftlichen Symposien und konzertanten Akademien bisher auch in Dresden, Gotha und zuletzt in Weimar statt. 1993 produzierte der NDR eine Fernsehsendung über Felix Draeseke, bei der ich aktiv mitwirkte.

Mit der Erstaufführung der Großen Messe in Fis-moll von Draeseke im Rahmen des erwähnten 31. Internationalen Heinrich Schütz-Festes 1989 wurde ein weiteres bedeutendes Werk des 19. Jahrhunderts der Öffentlichkeit erschlossen.

Das CHRISTUS-Mysterium des Komponisten Felix Draeseke zählt anerkanntermaßen zu den Einmaligkeiten in der Musikgeschichte, schon allein wegen seiner großartigen Anlage als Oratorien-Tetralogie. Aber auch inhaltlich darf man das Werk zu den - noch - unerkannten Kostbarkeiten zählen. Obwohl das Werk nach Gesamtaufführungen 1912 in Berlin und Dresden einer breiten Öffentlichkeit schon einmal bekannt war, fiel Draesekes "Christus" in Vergessenheit. Die dritte Gesamtaufführung der Tetralogie kam 1990 in Speyer unter meiner Leitung zustande und wurde als notwendige und kulturell bedeutsame Arbeit weithin verstanden und anerkannt. 1991 leitete Professor Hermann Rau in Heilbronn die nächste Gesamtaufführung. Es folgten 1992 und 1993 Teilaufführungen des Mysteriums bei internationalen Festivals in Breslau (Wratislavia Cantans) und Dresden (Dresdener Musikfestspiele). Das Gesamtwerk Draesekes findet inzwischen breitere Beachtung. Derzeit produzieren namhafte Orchester das sinfonische Oeuvre als Einspielungen auf Tonträger. Als Geschäftsführer der Internationalen Draeseke-Gesellschaft ist es mir möglich, solche Bemühungen nachhaltig zu unterstützen und zu fördern.

 

Speyer, im Mai 2000 Udo-R. Follert